Hilfe für betroffene Familien – Kinder trauern anders – Trauerbegleitung der „GefühlsHelden“

Es ist für niemanden eine schöne Situation – aber dennoch passiert sie: Kinder und Jugendliche verlieren Geschwister, einen Elternteil oder andere nahe Angehörige. Der Umgang damit ist oft schwierig, beispielsweise weil Eltern mit der Situation selbst überfordert sind, durch den Wegfall eines Einkommens Geldsorgen haben und den Trauerfall ja selbst verarbeiten sollen und müssen. Helfen wollen hier die „GefühlsHelden“, eine gemeinnützige Fachstelle für Kinder- und Jugendtrauer mit Standorten in Surberg und Traunstein.

Sie bieten Beratungen und Begleitungen an, damit Kinder und Jugendliche Trauerfälle in der Familie bestmöglich verkraften und verarbeiten können. Geografisch sind sie für das gesamte südliche Oberbayern da – von Wasserburg bis Berchtesgaden.

Kinder trauern anders

Denn wie Geschäftsführer Daniel Georg-Stoklossa im BAYERNWELLE-Interview erklärt, trauern Kinder oftmals ganz anders als Erwachsene. Das könne Eltern vor zusätzliche Herausforderungen stellen, schließlich ist niemand auf so einen Fall vorbereitet. So sei es ganz normal, dass man Erwachsenen ihre Traurigkeit ansieht – bei Kindern sei das nicht so. Viele würden hier denken, das Kind habe den Verlust eines Familienangehörigen gut verkraftet, dabei hat das Kind die Trauer nur woanders hingepackt.

Diese könne sich laut Stoklossa in den verschiedensten Formen äußern – von Wut über fehlende Motivation in der Schule bis hin zu sozialer Isolation. Damit nach einem Trauerfall in der Familie später keine schwerwiegenden psychischen Probleme entstehen, können sich Familien mit ihren Kindern und Jugendlichen an die GefühlsHelden wenden.

Was bieten die GefühlsHelden an?

Sie bieten sowohl Gruppen- als auch Einzelbegleitungen an. In den Gruppenterminen treffen sich die Kinder regelmäßig, hören beispielsweise eine Geschichte zum Thema des jeweiligen Tages, sprechen darüber und werden anschließend kreativ. Das sei eine Möglichkeit zur Verarbeitung von Trauer, die eigentlich alle Kinder anspreche, erklärt Stoklossa hierzu. Er selbst ist studierter Pädagoge und hat mehr als 20 Jahre Berufserfahrung in der Begleitung von Menschen in herausfordernden Lebenssituationen.

Gemeinsam mit seinem Team bietet er aber auch Einzelbegleitungen an. Hierbei geht es für die Kinder oft erst einmal darum, zu begreifen, was passiert ist. Außerdem haben Kinder nach dem Verlust eines engen Angehörigen viele Fragen: Warum musste das passieren? Wie geht es jetzt weiter? Diese Fragen zu stellen sei zu Hause oftmals schwierig; Kinder merken, dass es den Eltern selbst nicht gut geht, und wollen sie nicht zusätzlich belasten. Aber es sei wichtig, dass Kinder diese Fragen stellen dürfen, und die Einzelbegleitung soll laut Stoklossa diesen Raum bieten, in dem Kinder und Jugendliche einfach fragen und alle Facetten der Trauer ausleben können.

Was kostet die Trauerbegleitung?

Hier sagt Daniel Georg-Stoklossa: „Am Geld darf es nicht scheitern.“ Zwar ist das Angebot eine Selbstzahlerleistung, die Krankenkasse übernimmt die Kosten nicht. Allerdings finanzieren sich die GefühlsHelden größtenteils über Spenden und die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen der Region – etwa Vergissmeinnicht Chiemgau, der Kinderkrebshilfe BGL & TS und dem Kinderschutzbund Traunstein.

Deshalb rät der Pädagoge allen, die sich für das Angebot der GefühlsHelden interessieren: Kontakt aufnehmen und keine Sorge vor etwaigen Kosten haben. In vielen Fällen werde die Trauerbegleitung vollständig aus Mitteln der GefühlsHelden bezahlt – etwa wenn sich das eine Familie finanziell sonst nicht leisten könnte. In anderen Fällen zahlen die Kunden einen Teil selbst, und in wieder anderen Fällen zahlen sie alles selbst, weil Geld kein Thema ist. Das sei laut Stoklossa sehr individuell, aber am Ende des Tages stehe das Wohl von Kindern und Jugendlichen im Fokus.

Appell: Kindern mehr zutrauen

Eine Sache war Daniel Georg-Stoklossa besonders wichtig: „Wir dürfen Kindern mehr zutrauen.“ Es sei wichtig, Kinder in den Sterbe- und Abschiedsprozess mit einzubinden – etwa wenn eine Oma im Sterben liegt. Es sei Kindern nicht damit geholfen, auf einmal zu sagen: „Die Oma ist eingeschlafen.“ Einige Tage später ist das Kind dann auf der Beerdigung und begreift, dass die Oma gestorben ist. Diesen weit verbreiteten Satz „Die Oma ist eingeschlafen“ sollten Eltern laut Stoklossa generell nicht verwenden.

Erwachsene denken zwar , sie schonen damit das Kind. In Wirklichkeit können daraus aber Angststörungen vor dem eigenen Zubettgehen entstehen – oder auch davor, wenn Eltern zu ihren Kindern sagen: „Gute Nacht, ich geh jetzt schlafen.“ Denn die Kinderpsyche denkt laut Stoklossa in vielen Fällen: „Oh, die Oma ist auch eingeschlafen und dann haben wir sie beerdigt. Nicht, dass das mit Mama oder Papa jetzt auch passiert.“ Deshalb appelliert der Pädagoge, Kindern durchaus mehr zuzutrauen und ihnen kindgerecht klarzumachen, was passiert.

von: Markus Zartner